Finanzbedarf & Fundraising

Erstattungen? - Keine

Traumatisierte Geflüchtete können ihre Behandlung nicht aus eigener Tasche zahlen. Aber, nur ein Bruchteil der Kosten wird durch die Sozialämter übernommen, die Krankenkassen erstatten nichts. Im Fall traumatisierter Geflüchteter stellen gesetzliche Erstattungen keine Möglichkeit der Finanzierung dar. Stattdessen müssen Gelder in anderer Form akquiriert werden durch öffentliche Gelder, Projektmittel von Hilfsorganisationen und Kirchen sowie Spenden und Stiftungsgelder.  Damit braucht die Versorgung pro Patient viele Kostenträger, die sich zudem im Jahresverlauf ändern …


Öffentliche Gelder

Nach der EU-Aufnahmerichtlinie ist es Aufgabe der Mitgliedsstaaten, die spezielle Situation und Bedürfnisse von schutzbedürftigen Personen zu beurteilen und notwendige Maßnahmen einzuleiten. Dazu zählen insbesondere psychische Erkrankungen oder Traumatisierungen.

Das Flüchtlingsaufnahmegesetz von Baden-Württemberg ist die rechtliche Grundlage zur Versorgung traumatisierter Geflüchteter in unserem Bundesland. Seit 2012 fördert das Land Baden-Württemberg unsere Arbeit in Form von Freiwilligkeitsleistungen: Waren es anfänglich 65.000 Euro, so stieg der Betrag sukzessive über 100.000 Euro auf derzeit ca. 210.000 Euro. Wegen des jährlich gestiegenen Finanzvolumens ist der Anteil der Landesförderung mit rund 30 bis 35 Prozent eines Jahreshaushalts jedoch gleichgeblieben.

Seit 2019 wie auch von 2002 bis 2014 erhalten wir Gelder aus dem Europäischen Flüchtlingsfond. Für den Zeitraum 2019 bis 2021 beträgt die Summe 292.845 €. Auch in der Vergangenheit waren die EU-Mittel für die Existenz unserer Institution dringend notwendig.

Der Landkreis Schwarzwald-Baar beteiligt sich seit 2002 an der Versorgung hiesiger KlientInnen – die rund die Hälfte unserer Klienten ausmachen – mit einer Freiwilligkeitsleistung. Insgesamt hat der Landkreis somit 5 Prozent der Gesamteinnahmen über die Jahre beigesteuert. Die Förderung lag in den Anfangsjahren bei 5.000 Euro, Seit 2018 bei 30.000 Euro.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend legte im Zuge der Flüchtlingsbewegungen 2015 ein zeitlich befristetes Akutprogramm für die Psychosozialen Zentren auf. Seit 2016 wurden Projektgelder von jährlich 25.000 bis 37.500 € daraus gefördert.

Die Stadt Villingen-Schwenningen stellt seit 2013 zwei Büroetagen für Refugio VS in der Innenstadt kostenlos zur Verfügung und erspart uns somit eine Kaltmiete von ungefähr 6.000 Euro pro Jahr.


Hilfsorganisationen und Kirchen

Oftmals helfen diese Mittel, trotz fehlender oder zeitverzögerter Unterstützung der öffentlichen Hand die Arbeit fortführen zu können. Die UNO Flüchtlingshilfe e.  V. und Amnesty International Sektion der Bundesrepublik Deutschland genehmigten mehrmals Projektgelder. Seit 2015 fördert die Diözese Rottenburg-Stuttgart die Versorgung unserer KlientInnen im „schwäbischen“ Teil unseres Einzugsgebietes und hat die Förderung für Refugio VS zudem seit 2018 in eine Form der Strukturfinanzierung überführt.


Spenden, Stiftungsgelder und Mitgliedsbeiträge

Würden alle Spenden der letzten zwanzig Jahre von 1998 bis 2020 kumuliert, kämen wir auf ein Volumen von knapp zwei Millionen Euro und einen Anteil an den gesamten Finanzierungsmitteln von über 40 Prozent.

Refugio VS hat viele regelmäßige Spender. Auch die Zahl der Mitglieder hat sich über die letzten Jahre nicht verringert, sondern ist leicht gewachsen. Hinzu kamen Spenden von Stiftungen, die immer wieder tatkräftig unterstützten, so „Children for a better World“, die Peter-Maffay-Stiftung oder die Leibinger-Stiftungen. Einen maßgeblichen Beitrag steuert seit vielen Jahren die Katharina und Birgitta Hermle-Stiftung bei.

Neben der finanziellen Unterstützung drückt das Spendenaufkommen die große Wertschätzung aus, die Refugio VS in der Zivilgesellschaft genießt. Dieser Rückenwind hat uns immer getragen.

In den letzten Jahren hat sich der prozentuale Anteil der notwendigen Spenden an den Einnahmen durch die erhöhten öffentlichen Gelder verringert. Als Ergänzungsfinanzierung, Defizitdeckung und Liquiditätsreserve bleiben sie unersetzlich. Die pro Jahr erhaltenen Spenden, Stiftungsgelder und Mitgliedsbeiträge können dem Finanzbericht entnommen werden. 


Was sich ändern muss

Von einer nachhaltigen Strukturfinanzierung kann aber weiterhin keine Rede sein:

Alle öffentlichen Gelder sind befristet (in der Regel für ein Jahr) und von ihrer Natur her freiwillige Leistungen oder Projektgelder, für die es keine rechtlich verbindliche Grundlage gibt. Notwendig wäre das aber, denn der Versorgungsbedarf traumatisierter Geflüchteter ist längst nicht gedeckt und unsere Warteliste nach wie vor lang. Trotzdem werden Projektanträge abgelehnt, gekürzt und einige Fonds sogar geschlossen.

Wer jedes Jahr wie Refugio VS von neuem Gelder beantragen muss, hat keine finanzielle Sicherheit. Diese jedoch bräuchte es dringend, denn nur mit einem sicheren Boden unter den Füßen können wir für Geflüchtete ein sicherer Ort sein.

Leidtragende der unsicheren Finanzierung sind in erster Linie traumatisierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Aber auch die Gesellschaft „zahlt“ dafür: durch erhebliche Mehrkosten, die bei verschleppten oder nicht behandelten psychischen Erkrankungen heute und in Zukunft entstehen, und durch vergeudete Arbeits- und Lernpotentiale geflüchteter Menschen, die zumeist wesentlich jünger sind als die hiesige Bevölkerung. Die deutsche Wirtschaft weist ausdrücklich auf den Nutzen von Geflüchteten für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt hin.

Der humanitäre und wirtschaftliche Schaden einer Kürzung oder Einstellung unseres Angebots wäre demnach für alle Seiten erheblich. Bei der Aufnahme von Geflüchteten handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Bund, Länder und Kommunen müssen ihren Versorgungsauftrag, den sie nach der EU-Aufnahmerichtlinie und der UN-Antifolterkonvention haben, wahrnehmen und strukturell verlässliche und nachhaltige Ressourcen zum Erhalt von Psychosozialen Zentren wie Refugio VS mobilisieren.

Institutionelle Unterstützer 2019 / 2020

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