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Umgang mit Trauma der Flüchtlinge

Von Birgit Heinig (Schwarzwälder Bote)
VS-Villingen. Karin Norz-Kehrer ist eine von sieben Traumatherapeuten, die als Honorarkräfte die Vielzahl der traumatisierten Flüchtlinge behandelt. Nach gut zwei Jahren und bislang 25 Sitzungen hat sie es erreicht, dass Farid (Name von der Redaktion geändert) nicht mehr nur verbissen lernt, jegliche sozialen Kontakte meidet, unter Schlafstörungen leidet. »Auch so kann sich ein Trauma nämlich äußern«, sagt Karin Norz-Kehrer. Farid habe sich ständig unter Druck gesetzt und sei den Betreuern seiner Wohngruppe durch Überaktivität aufgefallen. Sie haben ihn schließlich zu Refugio geschickt.

»Das war mein Glück, jetzt fühle ich mich viel besser«, sagt er in astreinem Deutsch. Physik ist seine Leidenschaft, und er fühlt sich in Deutschland zudem auf einer Friedensmission – er will Frieden schaffen für die ganze Welt. Aber auch Farid war »eingesperrt im eigenen Körper«. So heißt das zweite offene Refugio VS-Forum, das am Freitag, 18. November, alle Menschen einlädt, die mit Flüchtlingen zu tun haben.

Ein eventuelles Trauma zu erkennen und richtig zu reagieren, darum gehe es bei dem Forum, sagt Refugio-Geschäftsführerin Astrid Sterzel. Es richtet sich an Ehrenamtliche, an Lehrer, Erzieher, Betreuer, aber auch Ärzte und Dolmetscher. »Wir möchten erreichen, dass genau hingeschaut wird und falsche Vorstellungen von Traumata richtigstellen«, sagt Karin Norz-Kehrer. Keine Hilfe sei es zum Beispiel, in die Geschichten der Flüchtlinge einzudringen. »Erzähl doch mal« – diese Aufforderung sei kontraproduktiv, warnt die Expertin. Gut ein Jahr brauchen ihre Patienten, bis sie – freiwillig und von alleine – zu erzählen beginnen. Helfen könne man trotzdem gleich. »Mit konkreter Unterstützung im Hier und Jetzt«, schlägt sie vor.

Beim VS-Forum wird der Umgang mit traumatisierten Menschen Thema. Der Diplompsychologe Manfred Kiewald, der als Ruheständler inzwischen fest für Refugio arbeitet und auf 20 Jahre Erfahrung mit traumatisierten Kindern zurückblicken kann, wird vom seelischen Trauma bei Kindern und Erwachsenen berichten. Die Sozialpädagogin Veronika Herz und die Sprachmittlerin Souad Alawi machen die bedeutende Rolle von Übersetzern für eine gelingende Integration deutlich. Karin Norz-Kehrer stellt anhand Farids Geschichte die körperorientierte Traumabewältigung vor.

INFO: Das zweite offene Refugio VSForum steht am Freitag, 18. November, von 13.30 bis 17 Uhr im Martin–Luther-Haus in Villingen auf dem Programm.
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig

Bild: Die Traumatherapeutin Karin Norz-Kehrer stellt beim Refugio VS-Forum am Freitag, 18. November, im Martin–Luther-Haus die körperorientierte Traumabewältigung vor. Foto: Heinig

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